Gestern waren wir im Museum Speelklok, dem "fröhlichsten Museum der Niederlande". Es zeigt Musikautomaten in allen Größen und aus vielen Jahrhunderten: Von der kleinen Spieluhr bis zum 8. Weltwunder, der selbstspielenden Geige mit Klavierbegleitung, ist alles dabei. Musikautomaten gibt es seit dem Mittelalter. Die Glockenspiele der Kirchturmuhren dienten dazu, die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass gleich die Zeit geschlagen würde. Wenn sofort die Zeitangabe begonnen hätte, hätten die Leute den Anfang verpasst und sich verzählt. Also gab es vorher ein Glockenspiel.
In der Schule hatten wir uns mal mit Mozarts Stück "für die Flötenuhr" beschäftigt. Irgendwie ging es dabei aber nur um das Stück und fast gar nicht um die Flötenuhr, einen Musikautomaten aus Mozarts Zeit, entwickelt in Augsburg. Die Flötenuhr durfte gestern natürlich auch nicht fehlen. Und auch Haydn hatte für einen Musikautomaten eine Walze bespielt und fand das Ergebnis perfekt.
Eine weitere Blütezeit der Musikautomaten war in den 1920er Jahren. Und auch heute, erzählte uns stolz unsere Führerin, werden in jeder größeren holländischen Stadt an den Wochenenden riesige Straßenorgeln aufgefahren. Nur außerhalb von Holland sind sie in Vergessenheit geraten, weil die unhandlichen Straßenorgeln sich im platten Holland zwar noch gut schieben ließen, in hügeligeren Ländern dagegen nur sehr schwer. Bei uns gibt es höchstens noch Drehorgelspieler.
Das Museum ist echt empfehlenswert und alles gut aufbereitet. Es gibt viele Modelle, die man ausprobieren kann, um die Mechanik hinter den historischen Automaten zu verstehen. Es gibt Hörbeispiele, Filme und man kann Führungen besuchen, wo auch einige historische Automaten zu Gehör kommen.
Hier ein paar Bilder, aber Bilder allein geben hier kaum etwas wieder. Also lieber zuerst ein YouTube-Video mit den TopTen der Musikautomaten aus diesem Museum:
Zugang zum Museum Speelklok in der ehemaligen Bauernkirche
Zugang zum Museum Speelklok
Man darf alles fotografieren und viele Modelle selber ausprobieren, nur die historischen Automaten darf man nicht anfassen.
Tanzorgel mit Saxophon und Akkordeon
Tanzorgel mit Saxophon und Akkordeon
Details vom Carillon
Das Carillon lässt sich auch manuell spielen, ganz ohne Automat.
Regal mit alten Lochpapieren für Musikautomaten
Lochpapier für Musikautomaten
Lochpapier
Zylinderpiano
Uhr mit Glockenspiel-Musikautomat: 8 Melodien auf 13 Glocken werden von 22 Hämmern gespielt, damit schnellere Tonrepetitionen möglich sind.
eine zerlegte Glockenspieluhr
Zigarettenetui, das Musik spielt, wenn es sich öffnet und die Zigaretten freigibt.
Pling Plong-Geräte zum Selberausprobieren - wie eine riesige Spieluhr mit austauschbaren Lochplatten
Erklärung, wie man für Pling Plong-Geräte selber Melodien in Lochplatten umsetzen kann
eine riesige Tanzorgel, zimmerhoch
Uhrmacherfigur mit funktionierender Uhr, der "Muss i denn zum Städele hinaus" pfeift, wenn er aufgezogen wird
Mechanismus ähnlich einer Spieluhr mit Lamellen und einer Walze
Plattenspieldose, wo die Erhebungen für die Lamellen auf einer kreisrunden Platte angebracht sind
Plattenspieldose, wo die Erhebungen für die Lamellen auf einer kreisrunden Platte angebracht sind
Plattenspieldose zum Kurbeln ohne aufziehbare Feder
Lochblatt für Pling Plong
Walzenorgel für den Hausgebrauch
nachgebautes Atelier eines Spieldosenmachers
Stella Plattenspieldose mit doppeltem Lamellenkamm, damit sie doppelt so laut klingt
Phonoliszt Violina, Walzenorchestrion von Ludwig Hupfeld A.-G., Rönisch Klavierfabrik Leipzig und Dresden
Gambrinus (legendärer Flamenkönig, der das Bier erfunden haben soll) Plattenspieldose für Wirtshäuser, Symphonion Musikwerke Leipzig
Straßenorgel aus Berlin
prächtige Straßenorgel mit sich bewegenden Figuren
ringförmiger "Bogen" und drei Geigen mit Griffstempeln statt einer, weil auf jeder Geige nur eine Saite gestrichen wird, wozu sie dann zum Ringbogen geneigt wird
Automat spielt Geige und Klavier gleichzeitig
Spieluhr mit Vogelgezwitscher und sich bewegenden Vögeln
Uhr mit Glockenspiel
Carillon mit Walzenautomatik
Hasenspieluhr
Musik-Standuhr von A. C. J. Jansen, Amsterdam 1890
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